Mit Schneeschuhen unterwegs in den polnischen Waldkaparten

Blog | Dez 23, 2011 | 0 Kommentare

Den Wölfen auf der Spur

Mit Schneeschuhen durch die polnischen Waldkaparten

 

Der Wind pfeift über die Baumwipfel und rieselt weißen Staub auf die achtköpfige Gruppe. Aufgeregt kniet sie am Boden und alle Augen blicken auf den Abdruck, der sich fast fünf Zentimeter in den verharschten Schnee gegraben hat. Deutlich zeichnen sich die vier kräftigen Krallen vor dem handtellergroßen Ballen ab. Wenn das ein Hund war, dann muss er riesig gewesen sein.

Die Gruppe hat sich auf den weiten Weg in den äußersten Südosten Polens gemacht, um die winterlichen Waldkarpaten auf Schneeschuhen zu entdecken. Das Dreiländereck Slowakei, Ukraine und Polen ist eine der am dünnsten besiedeltsten Gebiete am Rande Europas. Das war nicht immer so. Vom 13. Jahrhundert an siedelten hier die Bojken und Lemken. Als deren Nachfahren nach dem Zweiten Weltkrieg die ukrainische Nationalisten bei ihrem Unabhängigkeitskampf unterstützen, siedelte der polnische Staat etwa 140.000 Menschen in die übrigen Landesteile um. Ganze Dörfer verschwanden von der Landkarte und Luchs, Wolf und Braunbär übernahmen in den Bieszczady die Regie.

In den polnischen Waldkarpaten unterwegs wie Jack London

„War das Pfefferspray zur Abwehr wilder Tiere auf der Packliste ernst gemeint?“, wollen die Ängstlicheren von Mike Dittrich wissen, als sich die Gruppe am ersten Abend in Muczne trifft. Im offenen Kamin der Pension knistert ein dicker Kiefernholzscheit und die lodernden Flammen lassen die Jagdtrophäen an der Wand schelmisch grinsen. „Glaubt nicht an Rotkäppchen“, winkt der Guide ab, der seit fünf Jahren die Waldkarpaten zu jeder Jahreszeit durchstreift: „Zur Zeit leben hier zwar um die 100 Wölfe, aber die machen einen weiten Bogen um Menschen.“
Das Thermometer zeigt minus acht Grad und der Rauch von Kaminfeuer legt sich über das gute Dutzend von Holzhäusern, als die Schneeschuhe inspiziert werden. Im Gegensatz zu den klassischen, lederbespannten „Tennisschlägern“ mit denen Jack London unterwegs war, scheint das Hartplastik, mit dem die etwa einen Meter langen Aluminiumrahmen bespannt sind, aus der Weltraumforschung zu stammen. Die Krallen unter der Bindung garantieren sicheren Tritt im steilen Gelände.

Schon nach wenigen Minuten verteilt sich die Gruppe mit schlurfendem Schritt zu roten, gelben und grünen Punkten in der weißen Landschaft. Beim Schneeschuhlaufen fallen die Schritte wegen der Teller an den Füßen etwas breiter aus, ansonsten geht es sich wie bei einem Waldspaziergang im Sommer.

 

Arktisfeeling beim Aufstieg auf die Bukowe Berdo

Kein Ausflug dagegen ist der Anstieg auf die Bukowe Berdo. Der steile Hang ist nur im Entengang zu bewältigen, wie Mike Dittrich seinen Schützlingen erklärt: „Ihr müsst die Schuhe v-förmig aufsetzen, sonst tretet ihr auf eure eigenen Füße.“

Die Bukowe Berdo ist eine weite Bergwiese oberhalb der Baumgrenze, und der eisige Wind hat den Felsen blank geputzt. Die Harscheisen kratzen über eine Eisschicht, und auf den Wegweisern wachsen zehn Zentimeter lange Eisnadeln. Obwohl diese Połonia mit 1.200 m nicht annähernd so hoch ist wie der Mount Everest, sieht es so aus, als sei Reinhold Messer unterwegs: Nur für einen kurzen Augenblick schafft es die Sonne die Silhouetten aus dem grauen Nebel herauszuarbeiten. Die Gesichtsmasken und die dicht geschlossenen Kapuzen lassen zwar nur einen Sehschlitz frei, trotzdem sind die Expeditionsteilnehmer froh, als die Hochfläche sich neigt und der Wind im Wald abflaut.

Schnell ist der heiße Tee aus den Thermoskannen mit Schnee auf Trinktemperatur gebracht, dann ist die Aufregung groß. Mike Dittrich hat nur ein paar Meter abseits der Wegmarkierung eine Fährte entdeckt und ist sich sicher: „Hundepfoten sind runder. Die Krallen sind krummer und meistens undeutlicher abgedrückt.“ Dieser Wolf hier ist im Trab gelaufen und hat die Hinterpfoten genau in die Abdrücke der Vorderpfoten gesetzt. Wie an einer Perlenschnur führen die Trittsiegel in die Tiefe des Waldes. Wer weiß, vielleicht hat die Gruppe in den verbleibenden Tagen noch das Glück und hört des Nachts einen Wolf heulen.

Prächtige Holzkirchen zeugen von der untergegangenen Volkskultur der Bojken.

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Albatros Outdoor
Mike Dittrich
Natur- und Aktivreisen
Bertholdplatz 6, Spreepark, 15848 Beeskow, Tel. 03366/153375

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