Cover Ein deutscher Wandersommer

Blog | Mrz 9, 2012 | 0 Kommentare

Buchbesprechung

1400 Kilometer durch unsere wilde Heimat

In loser Folge werde ich von nun an hier im Blog  das ein oder andere Reisebuch vorstellen, das ich gerade gelesen habe. Den Auftakt macht  „Ein deutscher Wandersommer“ von Andreas Kieling.

Eine Tätigkeit beim Fernsehen scheint eine gute Voraussetzung, um ein erfolgreiches Reisebuch zu schreiben. Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ sorgte auf dem Jakobsweg für Gedrängel in den Pilgerherbergen und auch die Werke von Naturfilmer Andreas Kieling schaffen es in die Bestseller-Listen.

Für das vorliegende Buch „Ein deutscher Wandersommer. 1400 Kilometer durch unsere wilde Heimat“ wanderte er zusammen mit seinem Hund Cleo auf dem einstigen Patrouillenstreifen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und schreibt dazu im Klappentext: „Diese Wanderung quer durch Deutschland war für mich eines meiner schönsten Abenteuer, eine aufregende Reise mit vielen Momenten, die mich staunen ließen. Emotional die stärkste Unternehmung, die ich je gemacht habe.“ Das entspricht doch ganz meinem Credo „Lieber das Abenteuer vor der Haustür erlebt, als von der Fernreise geträumt“ und so bin ich gespannt, was der „Bärenmann“ zu erzählen hat, wenn er durch Deutschland tingelt.

Von der Arbeit eines Flussperlmuschelsucher über Hannoversche Schweisshunde bis zum bundesdeutsche Jagdgesetz spannt Kieling den thematischen Bogen, wenn er unterwegs interessante Menschen trifft, über Ökologie referiert oder die kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Region vorstellt, in der er gerade unterwegs ist. Natürlich ist auch viel Biografisches dabei, denn Andreas Kieling floh im zarten Alter von 16 Jahren aus der DDR, fuhr dann zur See und arbeitete als Förster, bevor er als Tierfilmer Karriere machte.

„Eine absolut schräge Geschichte, eine der schrägsten, die ich je gehört habe. Zwei Jahre Zuchthaus für fünf Flaschen Bier und eine Bottle Schnaps“, ist ein typischer Kieling-Satz. Er schreibt umgangssprachlich und meist so, wie er in seinen Filmen in das Mikrofon murmelt. Das ist gut zu lesen, ändert aber leider nichts an der oft enzyklopädischen Wissensdarbietung. Da ist zwar viel Interessantes zu entdecken, aber ein ums andere Mal habe ich mich dann doch dabei ertappt, wie das Auge weit vorauseilte, um das rettende Ende des Absatzes zu erspähen.

Treffende und witzige Beobachtungen, wie zum Beispiel diese gelungene Kategorisierung der Wanderer im Harz: „Alte Leute, junge Leute. Durchgestylte Edelhiker im Fjäll-Räven-Outfit. Dann natürlich die zweite Liga, im Jack-Wolfskin-Dress, last not least die »normalen« Wanderer in Noname-Klamotten“, bleiben leider die Ausnahme.


Ein deutscher Wandersommer
 


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Fazit

„Ein deutscher Wandersommer“ ist ein mitunter lehrreiches, durchaus lesenswertes Buch. Es ist aber kein Wander-Erlebnisbericht sondern mehr ein Grundkurs in Ökologie, eine kleine Geschichte der DDR und manchmal auch ein bisschen „Handbuch des Unnützen Wissens“.

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