Canon EOS 5D Mark III

Blog | Mai 24, 2012 | 6 Kommentare

Die Canon EOS 5D Mark III im Praxiseinsatz

Meine Einschätzung nach ein paar tausend Fotos

Für die Arbeit an meinem neuen Kamerahandbuch für den Markt und Technik Verlag, konnte ich während der letzten Wochen ausgiebig mit einer Canon EOS 5D Mark III fotografieren und möchte hier meine Eindrücke und Erfahrungen mit dieser -um das gleich vorweg zunehmen: fantastischen- Kamera schildern.

Sonnenuntergang über der Ostsee

Die EOS 5D Mark III ist mehr Evolution als Revolution und auf dem Papier wirken die Neuerung gegenüber der EOS 5D Mark II nur wenig spektakulär. Dafür ist sie in nahezu jeder Hinsicht (ein bisschen) besser als das Vorgängermodell.

Beginnen wir mit dem äußeren Erscheinungsbild samt Knöpfen, Tasten und Wahlrädern. Die EOS 5D Mark III ähnelt ihrer Vorgängerin und übernimmt gleichzeitig das durchdachte Bedienkonzept der EOS 7D. So ist der Ein-/Ausschalter endlich auf die Kameraoberseite gerückt, die Wahlräder lassen sich gegen unbeabsichtigtes Verstellen sichern und es gibt eine neue Live-View/Film-Taste mit der man bequem zur gewünschten Aufnahmefunktion wechselt.

LiveView- und Movie-Taste

Mit dem neuen Schalter kann man schnell in den LiveView-Betrieb wechseln oder eine Video aufnehmen.

Überaus praktisch finde ich die Sicherung des Moduswahlrads, welches sich nur bei gleichzeitigem Druck auf den Sperrknopf in der Mitte in eine neue Position bringen lässt. Beim Verstauen der EOS 5D Mark II in der Fototasche ist es mir des Öfteren passiert, dass es sich unbemerkt in eine andere Position verdreht hat, und zwar am liebsten in die Stellung für die manuelle Belichtungssteuerung. Im Eifer des Gefechts habe ich das dann meist erst gemerkt, nachdem schon ein paar falsch belichtete Aufnahmen auf der Speicherkarte gelandet waren.

Die Multifunktionstaste

Auch die vergrößerte Abblendtaste, die sich nun gut mit der rechten Hand bedienen lässt und  der frei konfigurierbare M.Fn-Multifunktionsknopf erhöhen den Bedienkomfort.

Als eine der ersten Amtshandlungen habe ich ihn mit der Funktion der neuen elektronischen Wasserwaage belegt, denn die ist überaus praktisch: Die AF-Messfelder im Sucher werden zu einer Wasserwaage umfunktioniert und die Kamera lässt sich ohne weiteres Zubehör perfekt horizontal ausrichten.

Kommen wir zu den inneren Werten. Wenn Kritik an der EOS 5D Mark II laut wird, so bezieht sie sich meist und fast ausschließlich auf das eher schlichte Autofokus-System. Kein Wunder, denn im Prinzip hatte Canon das 9-Feld-AF-System aus der ursprünglichen EOS 5D von 2005 unverändert übernommen.

AF-Messfeldwahl bei der Canon EOS 5D Mark III

In der EOS 5D Mark III dagegen werkelt ein aus der EOS-1D X entlehnter 61-Punkt-AF. Und, was soll ich sagen? Er funktioniert perfekt. Besonders die große Anzahl an Messfeldern hat es mir angetan. Statt auf die Bildmitte scharf zustellen, die Schärfe zu speichern und die Kamera auf den gewünschten Ausschnitt zu verschwenken, kann man bequem per Wahlrad oder Multikontroller das passende Messfeld aktivieren. Und da man sogar nur den inneren Bereich der einzelnen Messfelder als Spot-AF nutzen kann, lassen sich selbst feinste Motivdetails als Referenz zum Fokussieren verwenden und der AF scheitert weder bei Makros noch bei sich überlappenden Motivteilen.

Für die Schärfeverfolgung von bewegten Objekten gedacht ist das neue AF-Konfigurationswerkzeug. Einfach den AF-Modus auf „AI-Servo“ stellen und diejenige von sechs Voreinstellungen wählen, die am besten zur Art der Bewegung passt (z.B: Motive, die sich mit hoher Geschwindigkeit bewegen oder Objekte die schnell beschleunigen oder abbremsen). Zusammen mit einer schnellen Reihenaufnahme gelingen gestochen scharfe Actionfotos so fast wie von selbst.

Sich schnell bewegende Sportler stellen keine Herausforderung für den leistungsstarken AF der EOS 5D Mark III dar.

Bei der Verfolgung von bewegten Motiven erhält der Autofokus Unterstützung durch das Belichtungsmesssystem. Während die EOS-1D X dabei auf einen 100.000 Pixel RGB-Sensor zurückgreifen kann, verfügt die EOS 5D Mark III „nur“ über einen 63-Punkt Sensor, der allerdings auch Farben berücksichtigt und mir sind keine gravierenden Schwächen bei der Nachführung des Autofokus aufgefallen.

Ein Wermutstropfen sei an dieser Stelle nicht verschwiegen: Um das Beste aus dem Autofokus herausholen zu können, sind lichtstarke Objektive von Nöten. Die Kreuzsensoren arbeiten nur ab einer Anfangsöffnung von f/4, die Doppelkreuzsensoren verlangen sogar nach einer Lichtstärke von 1:2,8.

Die Auflösung des Vollformatsensors der EOS 5D Mark III ist praktisch unverändert geblieben. Das ist aus meiner Sicht nicht weiter tragisch, denn schon die Bildqualität der EOS 5D Mark II war über jeden Zweifel erhaben. Die 5760×3840 Pixel großen Dateien der EOS 5D Mark III reichen für die meisten Anwendungen mehr als aus, bieten ausreichend Spielraum für Ausschnittsvergrößerungen und sind mit einer Größe von knapp 30 MB für eine RAW-Datei sehr gut handelbar.

Jenseits der Megapixel hat Canon die Sensor-Architektur komplett erneuert. Dank lichtempfindlicherer Fotodioden, neuentwickelter Schaltkreise und lückenlos angeordneten Mikrolinsen überzeugt der neue Bildsensor durch seinem hohen Dynamikumfang, gutes Rauschverhalten selbst bei hoher ISO-Einstellung sowie niedrigen Stromverbrauch.


Selbst bei der extremen Lichtempfindlichkeit von ISO 12.800 liefert der neue Bildsensor der EOS 5D Mark III noch brauchbare Bilder.



Für die Aufbereitung der Sensordaten zeichnet in der EOS 5D Mark III ein DIGIC 5+ Bildprozessor verantwortlich, dessen Rechenleistung gegenüber dem DIGIC 4-Prozessor der EOS 5D Mark II laut Canon deutlich erhöht wurde. Das ist in erster Linie für JPEG-Fotografen von Interesse, denn neben verbesserten Algorithmen zur Rauschreduzierung ermöglicht er zusätzlich zur bereits aus der Mark II bekannten Vignettierungskorrektur auch die Beseitigung von chromatischen Aberrationen. RAW-Fotografen bekommen durch die gesteigerte Rechenpower die Möglichkeit ihre Fotos in der Kamera zu bearbeiten. Das ist nichts, was Photoshop ersetzt, aber praktisch wenn man unterwegs auf die Schnelle und ganz ohne Laptop ein paar JPEGs benötigt, z.B. um im Urlaub ein paar Fotos nach Hause zu mailen.

Mehrfachbelichtung 2.0 - durch den leistungsstarken Bildprozessor bietet die EOS 5D Mark III ein paar nette "Spielereien".

Dank des schnellen Bildprozessors hat die EOS 5D Mark III zwei nette Funktionen an Bord. Mehrfachbelichtung und HDR-Aufnahme sind zwar nicht lebensnotwendig, machen aber viel Spaß und regen zu kreativen Experimenten an.

Bei der Mehrfachbelichtung kann die EOS 5D Mark III bis zu neun nacheinander aufgenommen Einzelfotos überlagern. Dabei werden die Einzelbelichtung nicht wie bei einer klassischen Mehrfachbelichtung einfach nur „addiert“, sondern die Überlagerung kann durch verschiedene Vorgaben quasi wie durch die Wahl der Füllmethode bei Ebenen in Photoshop sehr gezielt gesteuert werden. Und das Beste: Man kann die Entstehung des Ergebnisses auf dem Kameramonitor verfolgen und bei Bedarf das jeweils letzte Foto wiederholen.

Die HDR-Funktion ersetzt natürlich nicht Spezialprogramme wie Photomatix und Co., bietet aber eine schnelle und zumindest bei statischen Motiven sehr zuverlässige Möglichkeit ohne großen Aufwand HDR-Aufnahmen zu erstellen und das Ergebnis sofort vor Augen zu haben.
Dabei sind drei Einzelaufnahmen mit bis zu +/- 3EV möglich und man kann einen visuellen Effekt für die HDR-Umsetzung wählen. Da zusätzlich zum Endergebnis auch die Einzelaufnahmen der Belichtungsreihe gespeichert werden können, geht man kein Risiko ein und kann notfalls auch nachträglich am Rechner noch die HDR-Berechnung durchführen.

Nachtaufnahme der Hamburger Speicherstadt mit dem HDR-Modus der EOS 5D Mark III

Fazit:

Die EOS 5D Mark III ist eine sehr ausgereifte, unglaublich vielseitige Kamera, die in nahezu jedem fotografischen Genre eine gute Figur macht. Der neue 22-Megapixel-Vollformatsensor hält die perfekte Balance zwischen (ausreichend) hoher Auflösung und guter, rauschfreier Bildqualität selbst bei hohen ISO-Werten.
Gesteigert wird die Bildqualität durch das zuverlässige, rasend schnell arbeitende Autofokussystem mit 61 Messpunkten und eine Belichtungsmessung über 63 Zonen. In Verbindung mit der schnellen Serienbildrate von bis zu 6 Bildern/Sekunde und der durchdachten Ergonomik wird die EOS 5D Mark III zum zuverlässigen Handwerkszeug für die gesamte Bandbreite der Fotografie von der Tabletop-Inszenierung im Fotostudio über Fotoreportagen und Architekturaufnahmen bis zum Sport- oder Wildlifefoto.

Zu guter Letzt:

Leider verwendet die EOS 5D Mark III mal wieder ein abgewandeltes RAW-Daten-Format, das ein Update der Bildbearbeitungssoftware erforderlich macht, um die Fotos am Rechner öffnen zu können. Inzwischen hat Apple ein RAW-Kompatibilitäts-Update bereit gestellt, das Mac OS X fit macht für die Fotos der EOS 5D Mark III. Lightroom 4 Nutzer müssen derzeit noch auf den Release Candidate 2 zurückgreifen.
Für die vielfältigen AF-Einstellungsmöglichkeiten hat Canon ein englischsprachiges AF Guidebook für die EOS-1D X veröffentlicht, welches sich auch gut für Besitzer einer EOS 5D Mark III eignet.

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Schon 6 Kommentare

manche schreiben ein Wechsel von eos 5 mark ii zu mark iii lohnt sich nicht
insbes, ist die Bildqualität der eos mark ii im unteres iso bereich fast besser
ist das richtig

ich erwäge aber einen wechsel insbes. weil ich des öfteren nicht mit dem
focus bei eos 5 mark ii zurechtkommen … und das ist doch sicherlich besser bei der iii (?!)

über antwort freue ich mich natürlich

Pawelke Johannes

8/29/2012

Hallo Johannes,
vielen Dank für Deinen Kommentar und gerne versuche ich, Deine Fragen zu beantworten. Ohne Zweifel ist die die Bildqualität der EOS 5D Mark II sehr, sehr gut. Eine Verschlechterung der Bildqualität bei der EOS 5 D Mark III kann ich nicht feststellen, allerdings (zumindest in den unteren ISO-Bereichen) auch keine sichtbare Verbesserung. Wenn also die Bildqualität im Vordergrund steht und Du mit der Mark II ansonsten zufrieden bist, dann lohnt sich der Umstieg wohl eher nicht.

Die EOS 5D Mark III begeistert aus meiner Sicht vor allem durch die zahlreichen Detailverbesserungen, wie z.B. dem verstellsicheren Moduswahlrad, einem durchdachteren Menüaufbau (meine Meinung) und dem deutlich leistungsfähigeren Autofokus. Persönlich schätze ich zudem die erweiterte Belichtungsreihenfunktion mit 2, 3, 5 oder 7 Aufnahmen und ± 3 Blenden sehr.

Ob alle diese Details zusammengenommen den fast doppelten Kaufpreis wert sind? Bei dieser Frage muss ich leider passen. Diese Entscheidung kann ich Dir nicht abnehmen, denn das musst Du letztendlich selbst entscheiden.

Ob nun mit der EOS 5D Mark II oder Mark III, ich wünsche Dir in jedem Fall weiterhin viele schöne Fotos,

Michael

Michael Hennemann

8/29/2012

Hallo Herr Hennemann!

Wie wirkt sich der Wermutstropfen des Autofokus (Kreuzsensoren arbeiten nur ab einer Anfangsöffnung von f/4, die Doppelkreuzsensoren verlangen Lichtstärke von 1:2,8.)
beim zB EF 70-300/4,0 – 5,6 L IS USM in der Praxis aus bzw. worauf sollte man beim
fotografieren achten?

Vielen Dank!
A.SIKA
Wien

Alfred SIKA

1/6/2013

Hallo nach Wien,

Du hast völlig recht, die Leistungsfähigkeit des Autofokus der EOS 5 D Mark III hängt auch vom verwendeten Objektiv ab und um die volle Leistung des Autofokussystems nutzen zu können, sind lichtstarke Objektive die beste Wahl. Die mittleren Doppelkreuzsensoren mit diagonaler Ausrichtung (die nur bei Objektiven mit einer Lichtstärke von 1:2,8 arbeiten) helfen vor allem bei traditionellen Herausforderungen für den AF, z.B. bei kontrast- und strukturarmen Motiven. Bei weniger lichtstarken Objektiven werden die Diagonal-Kreuzsensoren zu „normalen“ Kreuzsensoren, die aber bei Alltags-Motiven ebenfalls sehr treffsicher sind, zumindest habe ich bei z.B. Fußball- oder Handballfotos keine Probleme gehabt. Bei dem von Dir genannten Objektiv funktionieren bei der Anfangsöffnung von f/5,6 in der Telestellung der mittlere Block der AF-Sensoren als Kreuzzensoren, solange Du Dein Motiv also mittig platzierst, sollte der AF auch mit dem EF 70-300mm schnell und präzise fokussieren.

Ich hoffe, ich konnte helfen und wünsche weiterhin viel Freude beim Fotografieren,

Michael

Michael Hennemann

1/18/2013

Zur Fotofunktion: Kann alle genannten Punkte unterstreichen. Die MK3 ist ein ausgezeichneter Fotoapparat. Wir setzen die 5D MK3 hauptsächlich im Filmbereich ein. Hier ist sie dem Vorgänger auch überlegen. Weniger Moiré und Aliasing, weniger Rauschen bei hohen ISOs, ein Kopfhörerausgang.
Ein nettes Feature: Das große Wahlrad ist touchempfindlich, man kann während der Videoaufnahme geräuschlos den Ton an der Kamera pegeln oder andere Einstellungen verändern.
Und jetzt haben die Entwickler von MagicLantern noch RAW-Video aus der Kamera gekitzelt, das Feature ist gerade noch in der Alpha-Version. Aber bin schon gespannt, wenn es fertig ist.

Josef

6/13/2013

Sehr guter Bericht zur Canon EOS 5D Mark3. Ich arbeite mit der Kamera nun seit rund einem Jahr und suchte gerade die Einstellmöglichkeiten im Bereich Sportfotografie und zum Thema Servo Modus. Danke für die guten Infos in diesem Artikel.

Beste Grüße aus Meerbusch!

Carsten Rusch

10/18/2014

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