Blog | Mrz 10, 2013 | 4 Kommentare

Im Detail: GPS & WLAN-Funktion der EOS 6D

Was bringt es in der Praxis?

Die neue, semiprofessionelle EOS 6D ist nicht nur eine besonders kompakte und „bezahlbare“ Vollformat-DSLR, sondern auch Canons erste EOS mit integriertem GPS-Empfänger und WLAN-Konnektivität.

Der eingebaute GPS-Empfänger

Sicherlich gibt es Fotografen, die gut auf einen GPS-Empfänger verzichten können. Ich gehöre eindeutig nicht dazu und finde es ungeheuer praktisch, wenn ich ohne weiteren Aufwand im Nachhinein sehen kann, wo ein Foto aufgenommen wurde. Lange Zeit verwendete ich daher einen externen GPS-Handempfänger (Garmin etrex), um die Fotos anschließend am PC per Geotagging mit den Koordinaten zu versehen. Das ist zwar nicht weiter schwer, aber eben doch ein zusätzlicher Arbeitsschritt. Um mir diesen zu ersparen, investierte ich im letzten Sommer in einen Canon GP-E2, der an der EOS 7D und der EOS M zum Einsatz kam. Er verrichtet seine Arbeit tadellos, aber so richtig praktisch ist ein zusätzlicher, klobiger Kasten, der entweder den Blitzschuh blockiert oder am Kabel neben der Kamera baumelt, eben leider auch nicht wirklich.

Kameramenü EOS 6D

Die Menüoptionen zum GPS-Empfänger sind im gelben Einstellungen-Menü zu finden.

Insofern machte alleine schon der integrierte GPS-Empfänger die EOS 6D für mich interessant. Damit Fotos mit dem Aufnahmekoordinaten versehen werden können, muss der GPS-Empfang im Kameramenü aktiviert werden. Den Menüpunkt ‚GPS‚ findet man im zweiten Reiter des gelben Einstellungen-Menüs. Im LC-Display auf der Kameraoberseite beginnt darauf hin die Anzeige GPS zu blinken und die Kamera sucht nach den Satellitensignalen. Das kann allerdings etwas dauern, vor allem bei eingeschränkter Himmelssicht. Auf der Fensterbank neben meinem Schreibtisch z.B. braucht die EOS 6D geschlagene 2 Minuten, bis die Anzeige GPS kontinuierlich leuchtet und den erfolgreichen Empfang signalisiert.

Anzeige der GPS-Informationen bei der Canon EOS 6D

Neben den Koordinaten des Aufnahmestandpunktes wird auch die Höhe erfasst.

Sobald der Empfang steht, werden Längen-, Breitengrad und Höhe automatisch in die EXIF-Metadaten der Fotos geschrieben. Über einen Puffer verfügt das kamerainterne GPS der EOS 6D scheinbar nicht. Ist der GPS-Empfang nicht möglich, z.B. in Innenräumen, so findet keine Verortung der Fotos statt.




Leider ist die EOS 6D im Gegensatz zum separaten GPS-Empfänger GP-E2 nicht mit einem elektronischen Kompass ausgestattet, d.h. die Blickrichtung der Kamera wird nicht dokumentiert. Mit diesem Manko kann ich persönlich gut leben, denn in der Regel reicht es mir zu wissen, wo das Foto aufgenommen wurde.

Zusätzlich zum Geotagging der Fotos kann die EOS 6D auch die Reiseroute aufzeichnen. Ist die entsprechende Menüoption ausgewählt, so speichert die EOS 6D in einem Zeitintervall das man ebenfalls über das Kameramenü einstellen kann, die aktuelle Position. Wie schon das GP-E2 verwendet Canon hier leider nicht wie die meisten anderen GPS-Logger ein Standard-GPX-Format und um die Route z.B. in GoogleEarth anzuschauen, muss man die Datei zunächst in Canons mitgeliefertem Map Utility öffnen und umwandeln.

Das GPS-Menü der Canon EOS 6D

Der kamerainterne GPS-Empfänger zeichnet auch bei ausgeschalteter Kamera kontinuierlich die Position auf.


Was mich bei der GPS-Funktion aber wirklich ärgert: 

Der Empfänger bleibt selbst bei deaktivierter Routenaufzeichnung nach dem Ausschalten der Kamera aktiv und entpuppt sich als wahrer Stromfresser. Eine ausgeschaltete EOS 6D mit ursprünglich vollgeladenem Akku zeigt über Nacht nach 12 Stunden mit aktiviertem GPS-Empfang (aber deaktivierter Routenaufzeichnung!) nur noch eine Ladekapazität von 95 Prozent.

Wer das GPS ausgiebig nutzen will, ist daher gut beraten (mindestens) einen Ersatzakku in die Fototasche zu packen. Außerdem sollte man nach dem Fototag immer daran denken, den GPS-Empfänger zu deaktivieren – was allerdings nur umständlich über das Kameramenü möglich ist. In dieser Hinsicht ist der klobige GP-E2 klar im Vorteil: Er lässt sich einfach über den Schalter am Gehäuse deaktivieren und selbst, wenn man das Ausschalten vergisst kann man anschließend noch Fotografieren – und dazu ist die EOS 6D ja schließlich in erste Linie da.

Die WLAN-Konnektivität

Durch das integrierte WLAN-Modul kann die EOS 6D direkt mit dem PC, Laptop oder Smartphone verbunden werden und ermöglicht eine Vielzahl von praktischen und sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten.

WLAN-Funktionen der Canon EOS 6D

Mit aktiviertem WLAN wird die Canon EOS 6D zum Kommunikationsgenie

Nach dem Einschalten der WLAN-Funktion kann man:

• Fotos direkt nach der Aufnahme – ohne dass irgendwelche Kabel eingestöpselt werden müssen! – auf ein Smartphone, Computer oder WLAN-Drucker übertragen,

• Fotos ohne große Aufwand auf einem DLNA-fähigem Fernsehgerät einem breiten Publikum präsentieren,

• Fotos direkt auf einen Webservice hochladen (bestehende Internetanbindung vorausgesetzt natürlich),

• die EOS 6D mit der Canon Software EOS Utility vom PC ohne Kabel als Stolperfalle aus fernsteuern,

• mit der entsprechend App das Smartphone als Kamerafernauslöser nutzen, und zwar mit LiveView-Vorschau.

Der Aufbau der WLAN-Verbindung ist zunächst etwas fummelig, funktioniert mit etwas Übung dann aber recht zügig und problemlos. Persönlich finde ich die Möglichkeit zur Fernsteuerung der EOS 6D über die für iOS und Android erhältliche Smartphone-App EOS Remote besonders interessant.

Screenshot EOS Remote App für iOS

Mit der EOS Remote App wird das Smartphone zum drahtlosen Fernauslöser.

Sie funktioniert zuverlässig, gibt sich allerdings sehr puristisch und „kann“ wirklich nur Fernauslöser, das allerdings immerhin mit LiveView-Übertragung. Am Handybildschirm selbst kann man nur wenig einstellen, z.B. Blende, Belichtungskorrektur oder ISO-Wert. Ändern des Aufnahmemodus, der Betriebsart oder des Weißabgleich? Leider Fehlanzeige. Auch weiter reichende Funktionen wie z.B. timergesteuerte Zeitrafferaufnahmen, Fokusstacking oder eine Belichtungsreihenautomatik sucht man leider vergebens.

Fazit

Wer erst einmal den Komfort der Kommunikationsmöglichkeiten von Canons EOS 6D kennengelernt hat, will sie nie mehr missen und nach meiner Einschätzung werden GPS und WLAN bald zur Standardausstattung einer guten Digitalkamera zählen.

Bei der Smartphone-App wünsche ich mir allerdings einen deutlich aufgebohrten Funktionsumfang, der über das reine Fernauslösen der Kamera hinausgeht. Was die GPS-Funktionalität angeht, so reicht Canon hoffentlich bald ein Firmware-Update nach, das den Empfänger deaktiviert, sobald die Kamera ausgeschaltet wird. Als reiner Datenlogger ist die EOS 6D nun wirklich überqualifiziert.

Tags:

Schon 4 Kommentare

Hier gibt es ein Tutorial zum WLAN der EOS 6D, mit dem Titel WLAN-Spass. 😉
http://cahab.zapto.org/users/erwin/weblog/dc8c8/WLANSPASS_mit_der_Canon_EOS_6D.html

Franz Held

6/26/2013

Endlich mal eine kritische Auseinandersetzung mit der 6D, die mir alle Fragen beantwortet: GPS-Datei im properitären Format? Ja. GPS zu unempfindlich? Ja. 🙁
Vielen Dank!

Sebastian Janzen

9/1/2013

Hallo ich bin Dave aus Berlin, interessanter Artikel..
wo bekommt man eigentlich dieses Canon Map Utility her, als ich damals meine 6D gekauft habe (es war kurz vor einer Reise) hatte ich übersehen das die ansonsten zum Lieferumfang dazugehörige DVD, bzw. CD nicht dabei war. Egal dachte ich du kannst die Programme ja alle aus dem Netz bei Canon ziehen. Denkste, dieses kleine Programm kann ich einfach nicht finden. Kannst du mir evtl sagen wo ich es herbekommen könnte? Gruß dave

Dave

11/6/2014

Hallo Dave,

danke für Deinen Kommentar. Eine interessante Website mit schönen Fotos hast Du. Leider habe ich keine guten Nachrichten für Dich: Meines Wissens nach gibt es GPS Utility ausschließlich auf den CDs/DVDs im Lieferumfang der Kameras bzw. des GPS-Empfänger GP-E2. Ein Download bei Canon ist mir nicht bekannt.

Gruß,

Michael

Michael Hennemann

11/6/2014

Hinterlasse Deine Meinung